Kooperation mit Tourism Boards — So funktioniert Influencer Marketing im Tourismus
Kooperation mit Tourism Boards — So funktioniert es wirklich
In meinen über zehn Jahren als Travel Creator habe ich mit Tourism Boards aus über 50 Ländern zusammengearbeitet — von Neuseeland über Saudi-Arabien bis Venezuela. Was von außen wie Traumjobs aussieht („Wirst du dafür bezahlt, zu reisen?!“), ist in Wahrheit ein komplexes Geschäft mit Pitches, Verhandlungen, Verträgen und jeder Menge professioneller Arbeit hinter den Kulissen.
In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie Tourism-Board-Kooperationen wirklich ablaufen, was du als Creator mitbringen musst und welche Fehler ich am Anfang gemacht habe.
Was sind Tourism Board Kooperationen?
Tourism Boards sind die offiziellen Marketingorganisationen von Ländern, Regionen oder Städten. Sie haben Budgets, um ihr Land als Reiseziel zu bewerben — und arbeiten dafür zunehmend mit Content Creatorn statt mit klassischer Werbung. Das Saudi-Arabische Tourism Board investiert beispielsweise Milliarden in die Vermarktung des Landes als Touristenziel, und Influencer-Marketing ist ein zentraler Baustein davon.
Eine typische Kooperation kann alles umfassen: Von einer einwöchigen Pressereise, bei der du das Land erkundest und Content erstellst, bis hin zu langfristigen Botschafter-Programmen über mehrere Jahre. Die Bandbreite ist riesig — und die Bezahlung auch.
Wie kommt eine Kooperation zustande?
Es gibt grundsätzlich zwei Wege:
1. Das Tourism Board meldet sich bei dir (Inbound)
Das ist die komfortabelste Variante. Seit ich über 4 Millionen Follower habe, kommen die meisten Anfragen direkt an mich — per E-Mail, über Instagram DMs oder über PR-Agenturen, die das Tourism Board vertreten. Typischerweise bekomme ich 3-5 Anfragen pro Woche, von denen ich vielleicht eine annehme.
Der Schlüssel für Inbound-Anfragen: Sichtbarkeit. Nicht nur auf Instagram, sondern auch bei Google. Wenn ein Marketing-Manager eines Tourism Boards nach „German travel influencer“ oder „Reise Influencer Deutschland“ sucht, muss dein Name auftauchen. Genau deshalb investiere ich so viel in SEO und meine Website.
2. Du pitcht das Tourism Board aktiv (Outbound)
Am Anfang meiner Karriere habe ich Tourism Boards selbst angeschrieben. Das funktioniert — braucht aber Strategie. Hier ist mein bewährter Ansatz:
- Research: Finde heraus, wer im Tourism Board für Influencer-Marketing zuständig ist. LinkedIn ist dafür Gold wert.
- Media Kit: Erstelle ein professionelles Media Kit mit echten Zahlen — Reichweite, Engagement Rate, Zielgruppe, bisherige Kooperationen.
- Kreatives Konzept: Pitche nicht einfach „Ich will zu euch reisen“, sondern ein konkretes Content-Konzept: „5 Drohnenspots in eurem Land, die noch niemand gezeigt hat.“
- Referenzen: Zeige Ergebnisse früherer Kooperationen — Reichweite, Engagement, erstellter Content.
Der typische Ablauf einer Tourism Board Kooperation
Phase 1: Kontakt und Briefing (2-8 Wochen vor der Reise)
Nachdem der erste Kontakt hergestellt ist, folgt ein detailliertes Briefing. Das Tourism Board teilt mit, welche Regionen, Aktivitäten und Botschaften im Fokus stehen sollen. Bei meiner Kooperation mit dem kolumbianischen Tourism Board lautete das Briefing zum Beispiel: „Zeige Kolumbien als sicheres, vielfältiges Reiseziel — weg vom alten Narcos-Image.“
In dieser Phase verhandle ich auch die Konditionen: Honorar, Reisekosten, Content-Umfang, Nutzungsrechte und Timelines. Dazu später mehr.
Phase 2: Reise und Content-Produktion (5-14 Tage)
Die eigentliche Reise ist der intensivste Teil. Typischerweise habe ich einen vollen Zeitplan mit Location-Visits, Aktivitäten und Treffen mit lokalen Guides. Parallel produziere ich Content: Fotos mit meiner Sony A7 IV, Drohnenaufnahmen mit der DJI Mini 5 Pro und Action-Cam-Footage mit der DJI Action 6 Pro.
Ein typischer Tag sieht so aus: Aufstehen vor Sonnenaufgang für das beste Drohnenlicht. Drei bis vier Locations am Tag. Abends: Bilder sichten, erste Bearbeitung, Instagram Stories posten. Urlaub? Fehlanzeige. Es ist Arbeit — wenn auch in einer unfassbar schönen Umgebung.
Phase 3: Post-Production und Veröffentlichung (2-6 Wochen nach der Reise)
Nach der Reise beginnt die eigentliche Arbeit: Bilder sortieren und bearbeiten, Reels schneiden, Blogposts schreiben, Stories vorbereiten. Für eine einwöchige Reise produziere ich typischerweise 10-15 Instagram-Posts, 3-5 Reels, 20+ Stories und einen ausführlichen Blogpost. Das sind schnell 40-60 Stunden Nachbearbeitung.
Phase 4: Reporting und Abrechnung
Am Ende liefere ich dem Tourism Board einen Report mit allen KPIs: Reichweite, Impressions, Engagement, Saves, Shares. Die meisten Tourism Boards wollen auch die Mediadateien in hoher Auflösung für ihre eigenen Kanäle — dafür werden separate Nutzungsrechte vereinbart.
Was verdient man bei Tourism Board Kooperationen?
Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Die ehrliche Antwort: Es variiert extrem. Hier eine realistische Übersicht:
| Kooperationstyp | Creator-Level | Honorar-Range |
|---|---|---|
| Pressereise (nur Kosten gedeckt) | Micro (10-50k) | 0 € + Reise |
| Pressereise + Honorar | Mid (50-500k) | 2.000–8.000 € |
| Einzelkampagne | Macro (500k-1M) | 8.000–25.000 € |
| Premium-Kampagne | Mega (1M+) | 15.000–50.000 €+ |
| Langzeit-Botschafter (6-12 Monate) | Mega (1M+) | 50.000–200.000 €+ |
Wichtig: Diese Zahlen sind Brutto und beinhalten keine Produktionskosten. Flüge, Hotels, Equipment-Verschleiß, Versicherung, Nachbearbeitung — das muss alles einkalkuliert werden. Von einem 15.000 €-Honorar bleiben nach Steuern und Kosten vielleicht 7.000-8.000 € übrig.
Die fünf größten Fehler bei Tourism Board Kooperationen
1. Barter-Deals akzeptieren
Der häufigste Fehler, besonders am Anfang: Tourism Boards bieten „Flug + Hotel gegen Content“. Das klingt verlockend, aber es ist ein Verlustgeschäft. Du investierst 40+ Stunden Arbeit und bekommst eine Reise im Wert von vielleicht 2.000 €. Dein Stundenlohn: unter 50 €. Ich habe früh gelernt: Kein Honorar, keine Kooperation. Ausnahmen gibt es nur für absolute Traumdestinationen, die strategisch wertvoll für mein Portfolio sind.
2. Keinen Vertrag haben
Immer — IMMER — einen schriftlichen Vertrag. Ich habe einmal Content für ein Tourism Board produziert, das dann monatelang nicht gezahlt hat. Seitdem arbeite ich nur mit Vertrag und 50% Anzahlung vor der Reise.
3. Zu viel Content versprechen
Viele Creator überbieten sich in Pitches mit Content-Versprechen: „20 Posts, 10 Reels, 50 Stories!“ Das Problem: Die Qualität leidet massiv. Lieber weniger Content in höchster Qualität. Meine Faustregel: Maximal 2 Posts pro Reisetag.
4. Nutzungsrechte verschenken
Nutzungsrechte sind ein eigener Posten. Wenn das Tourism Board deine Bilder für ihre Website, Broschüren oder Werbung nutzen will, kostet das extra. Ich berechne 30-50% Aufschlag auf das Basishonorar für erweiterte Nutzungsrechte.
5. Nicht nein sagen können
Nicht jede Kooperation ist eine gute Kooperation. Ich lehne 80% aller Anfragen ab — entweder weil das Budget nicht stimmt, die Destination nicht zu meiner Marke passt oder die Anforderungen unrealistisch sind. Nein zu sagen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten als Creator.
Welche Tourism Boards zahlen am besten?
Aus meiner Erfahrung gibt es große regionale Unterschiede:
- Höchste Budgets: Mittlerer Osten (Saudi-Arabien, UAE, Katar), Südkorea, Japan — hier werden Premium-Preise gezahlt
- Gute Budgets: Skandinavien, Australien, Neuseeland, Kanada — professionelle Marketingabteilungen mit realistischen Budgets
- Moderate Budgets: Südeuropa (Portugal, Griechenland, Kroatien), Südamerika — oft knappere Budgets, dafür oft kreativere Konzepte
- Knappe Budgets: Südostasien, Osteuropa — hier wird oft Barter angeboten, bezahlte Kooperationen sind seltener
So baust du dir ein Tourism Board Portfolio auf
Wenn du am Anfang stehst, hier mein Stufenplan:
Stufe 1 (0-50k Follower): Reise auf eigene Kosten und erstelle hochwertigen Content. Tagge Tourism Boards und lokale Tourismusorganisationen. Bewirb dich für Blogger-Trips und Pressereisen.
Stufe 2 (50-200k Follower): Erstelle ein professionelles Media Kit. Beginne aktiv zu pitchen. Nimm die ersten bezahlten Kooperationen an, auch wenn die Honorare noch klein sind.
Stufe 3 (200k-1M Follower): Arbeite mit einer Agentur oder einem Manager. Fordere faire Honorare. Baue Langzeitbeziehungen mit Tourism Boards auf.
Stufe 4 (1M+ Follower): Du verhandelst auf Augenhöhe. Premium-Preise. Exklusivität. Langzeit-Botschafter-Programme. Das ist die Phase, in der ich mich aktuell befinde — und hier werden die wirklich spannenden Deals gemacht.
FAQ — Häufige Fragen zu Tourism Board Kooperationen
Wie finde ich den richtigen Ansprechpartner beim Tourism Board?
LinkedIn ist dein bester Freund. Suche nach Jobtiteln wie „Head of Influencer Marketing“, „PR Manager“ oder „Digital Marketing Manager“ in Kombination mit dem Ländernamen. Oft arbeiten Tourism Boards auch mit PR-Agenturen zusammen — diese findest du über eine einfache Google-Suche nach „[Land] tourism PR agency“.
Brauche ich eine bestimmte Followerzahl für Tourism Board Kooperationen?
Nicht zwingend. Manche Tourism Boards arbeiten mit Micro-Influencern ab 10.000 Followern — allerdings dann meist ohne Honorar. Für bezahlte Kooperationen liegt die Schwelle in der Regel bei 100.000+ Followern, je nach Nische und Engagement Rate.
Wie lange dauert es, bis eine Kooperation zustande kommt?
Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Reise vergehen typischerweise 2-6 Monate. Bei spontaneren Projekten manchmal nur 2-3 Wochen. Ich plane meine Kooperationen mittlerweile 3-6 Monate im Voraus — so kann ich den besten Content planen und die Reise in meinen Kalender integrieren.
Muss ich als Influencer Steuern auf Tourism Board Honorare zahlen?
Ja, unbedingt. Als selbstständiger Creator musst du alle Einnahmen versteuern — auch Sachleistungen wie bezahlte Reisen. Ich empfehle dringend einen Steuerberater, der sich mit der Creator Economy auskennt. Die steuerlichen Feinheiten (Betriebsausgaben, Reisekosten, Equipment-Abschreibung) sind komplex, aber richtig gemacht kannst du einiges absetzen.
Was passiert, wenn das Wetter schlecht ist und ich den geplanten Content nicht produzieren kann?
Das ist ein reales Risiko, besonders bei Outdoor-Content. In meinen Verträgen steht immer eine „Force Majeure“-Klausel, die schlechtes Wetter einschließt. Bei meiner Norwegen-Kampagne hatten wir drei Tage Nebel — wir haben den Zeitplan angepasst und alternative Locations gefunden. Flexibilität und ein Plan B sind essentiell.
Mein Fazit nach 10+ Jahren Tourism Board Kooperationen
Tourism Board Kooperationen sind das Herzstück meines Business als Travel Creator. Sie ermöglichen es mir, die Welt zu bereisen, unglaublichen Content zu produzieren und damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber es ist ein Geschäft — mit Verhandlungen, Deadlines, Verträgen und Verantwortung. Wer das versteht und professionell auftritt, kann in diesem Bereich extrem erfolgreich sein.
Der wichtigste Rat, den ich jedem angehenden Travel Creator geben kann: Investiere in deine Sichtbarkeit und deine Professionalität. Tourism Boards arbeiten mit Creatorn, die verlässlich sind, hochwertigen Content liefern und eine klar definierte Zielgruppe erreichen. Wenn du das bietest, werden die Anfragen kommen.
Über den Autor: Max Haase ist Deutschlands reichweitenstärkster Travel Influencer mit über 4,2 Millionen Followern. Spezialisiert auf Drohnenaufnahmen und Luxusreisen. Kooperationsanfragen hier.
Wie ich meine erste Tourism Board Kooperation bekommen habe
Meine allererste richtige Tourism Board Kooperation war mit dem Baskenland — und sie kam über einen Umweg zustande. Ich hatte auf Instagram eine Serie über Nordspanien gepostet, einfach weil ich privat dort unterwegs war. Ein Marketing-Manager des baskischen Tourism Boards hat die Posts gesehen und mich kontaktiert. Das Angebot: Eine Woche Baskenland, komplett organisiert, mit einem kleinen Honorar dazu.
Rückblickend war das Honorar lächerlich niedrig — aber die Erfahrung war unbezahlbar. Ich habe gelernt, wie professionelle Kooperationen ablaufen, was Tourism Boards erwarten und wie man sich als Creator professionell verhält. Diese erste Kooperation hat mir Türen geöffnet: Das Baskenland hat mich an andere spanische Regionen weiterempfohlen, und so wuchs mein Portfolio Stück für Stück.
Heute, mit über 68 Tourism Board Kooperationen in meinem Portfolio, sage ich zu Anfragen routiniert ja oder nein. Aber jeder fängt klein an — und die erste Kooperation ist immer die schwierigste.
Die Rolle von PR-Agenturen
Viele Tourism Boards arbeiten nicht direkt mit Creatorn, sondern über PR-Agenturen. Diese Agenturen kuratieren die Creator-Auswahl, organisieren die Reisen und managen die Kommunikation. Als Creator hast du dann zwei Ansprechpartner: Die Agentur für operative Fragen und das Tourism Board für strategische Themen.
Meine Erfahrung mit Agenturen ist gemischt. Die guten Agenturen verstehen Creator-Marketing, respektieren kreative Freiheit und zahlen pünktlich. Die schlechten versuchen, möglichst viel Content für möglichst wenig Geld herauszupressen und behandeln Creator wie austauschbare Dienstleister.
Mein Tipp: Finde heraus, ob du direkt mit dem Tourism Board oder über eine Agentur arbeitest. Bei Direktkontakt sind die Beziehungen langfristiger und die Budgets oft besser. Über Agenturen kommt man dafür schneller an erste Kooperationen.
Content-Strategie für Tourism Board Kooperationen
Der Content, den du für ein Tourism Board produzierst, muss zwei Zielgruppen bedienen: Deine eigene Community UND das Tourism Board. Das sind oft unterschiedliche Anforderungen.
Deine Community will authentische, ehrliche Eindrücke — keine Hochglanz-Werbung. Das Tourism Board will das Land im besten Licht zeigen und bestimmte Botschaften transportieren. Die Kunst liegt darin, beides zu vereinen: Content, der authentisch und persönlich wirkt, aber gleichzeitig die Key Messages des Tourism Boards transportiert.
Mein Ansatz: Ich erzähle immer meine persönliche Geschichte. „Ich habe X erlebt, Y entdeckt, Z hat mich überrascht.“ Dadurch bleibt der Content authentisch, und die Destination wird organisch positiv dargestellt — ohne plumpe Werbebotschaften.
Bei meiner Saudi-Arabien-Kooperation zum Beispiel habe ich nicht einfach Sehenswürdigkeiten abfotografiert, sondern meine echte Überraschung darüber geteilt, wie modern und gastfreundlich das Land ist. Das war ehrlich, authentisch — und genau die Botschaft, die das Tourism Board transportieren wollte.
Am Ende des Tages sind Tourism Board Kooperationen Partnerschaften. Je besser du die Bedürfnisse des Tourism Boards verstehst und in deinen Content integrierst, desto mehr werden sie dich wieder buchen — und desto höher werden deine Honorare mit der Zeit.
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