Kroatien Geheimtipps — Abseits der Touristenpfade
Kroatien Geheimtipps — 9 Orte abseits der Touristenpfade, die du kennen musst
Kroatien und „Geheimtipp“ — passt das noch zusammen? Dubrovnik ist überlaufen seit Game of Thrones, Split quillt über mit Kreuzfahrt-Touristen, und die Plitvicer Seen haben im Sommer Wartezeiten wie ein Freizeitpark. Aber: Kroatien hat 1.244 Inseln, 1.778 Kilometer Küste und ein bergiges Hinterland, das 95% der Touristen nie sehen. Ich habe 3 Wochen damit verbracht, genau diese Ecken zu finden — mit der DJI Mini 5 Pro über einsamen Buchten, der Sony A7 IV in verlassenen Bergdörfern und dem Mietwagen auf Straßen, die auf Google Maps als graue Linien enden.
Hier sind meine 9 Kroatien-Geheimtipps — Orte, die in keinem Reiseführer an erster Stelle stehen.
1. Vis — Die Insel, die 50 Jahre gesperrt war
Vis war bis 1989 jugoslawische Militärbasis und für Touristen komplett gesperrt. Das Ergebnis: Während Hvar und Brač zugebaut wurden, blieb Vis verschont. Keine Hotelketten, keine Bettenburgen, keine Partymeile. Stattdessen: zwei kleine Ortschaften (Vis-Stadt und Komiža), Weinberge, Olivenhaine und einige der klarsten Gewässer der Adria.
Die Stiniva-Bucht auf der Südseite ist der Höhepunkt. Zwei hohe Felswände formen ein natürliches Tor, dahinter ein kleiner Kiesstrand mit türkisem Wasser. Erreichbar nur über einen steilen 30-Minuten-Abstieg oder per Boot. Lohnt sich beides. Von der Drohne aus sieht die Bucht aus wie ein natürliches Amphitheater — die Felswände, das schmale Tor, das leuchtende Wasser dahinter. Eines meiner besten Adriafotos.
Tipp: Die Blaue Grotte auf der Nachbarinsel Biševo ist ein Tagesausflug von Komiža — eine Meereshöhle, in der das Sonnenlicht das Wasser blau leuchten lässt. Touristisch, aber lohnt sich trotzdem. Vormittags hingehen, wenn das Licht am besten ist.
2. Lastovo — Die einsamste bewohnte Insel Kroatiens
Lastovo liegt weit draußen in der Adria, 90 Minuten mit der Fähre von Korčula. Etwa 800 Einwohner, keine Ampel, kein Bankautomat (bar mitnehmen!), keine Fast-Food-Kette. Der gesamte Archipel ist ein Naturpark. Nachts gibt es hier eine der geringsten Lichtverschmutzungen in ganz Europa — die Milchstraße sieht man mit bloßem Auge wie ein leuchtendes Band.
Ich habe drei Nächte auf Lastovo verbracht und wurde von einer lokalen Familie bekocht, die Gästezimmer vermietet. Frischer Fisch, selbst gemachter Wein aus dem eigenen Weinberg, Olivenöl von der Nachbarin. Kein Michelin-Stern, aber das beste Essen meiner ganzen Kroatien-Reise. Die Insel hat ein paar markierte Wanderwege durch Macchia-Buschland und Pinienwälder, und an jeder Ecke findest du verlassene Buchten, die du komplett für dich allein hast.
3. Učka-Naturpark — Das vergessene Gebirge über Istrien
Während alle an die Küste Istriens fahren (Rovinj, Pula, Poreč), vergessen sie das Gebirge direkt dahinter. Der Učka ist mit 1.396 Metern der höchste Berg Istriens und bietet einen Rundblick, der bei klarem Wetter von Venedig bis zu den slowenischen Alpen reicht. Ich war bei Sonnenaufgang oben — unter mir ein Wolkenmeer, darüber die Gipfel wie Inseln. Erinnert an Madeiras Pico-Tour, nur ohne die Touristen.
Der Aufstieg von Lovran aus dauert ca. 3 Stunden und führt durch Buchenwälder und über Almwiesen. Alternativ fährst du bis zum Vojak-Gipfel mit dem Auto (Schotterpiste, aber machbar) und genießt nur die Aussicht. Die Drohne habe ich hier ausgiebig genutzt — die Kontraste zwischen dem blauen Meer unten und den grünen Bergen oben sind spektakulär.
4. Ston — Die kleine Chinesische Mauer Europas
Ston liegt auf der Pelješac-Halbinsel, 50 Kilometer nordwestlich von Dubrovnik. Die meisten Touristen rasen auf dem Weg nach Dubrovnik vorbei und verpassen damit eine der beeindruckendsten Befestigungsanlagen Europas. Die Stadtmauern von Ston sind mit 5,5 Kilometern die zweitlängsten in Europa (nach den Aurelianischen Mauern in Rom) und wurden im 14. Jahrhundert gebaut, um die Salzproduktion zu schützen.
Du kannst auf den Mauern entlangwandern — etwa 45 Minuten für die komplette Runde, mit grandiosen Ausblicken über die Halbinsel, die Salinen und die Adria. Bei Sonnenuntergang färbt sich das Salz in den Becken rosa. Die Drohnenbilder von den Mauern, die sich wie eine Schlange über die Hügel ziehen, sind atemberaubend — von unten sieht man die Dimension gar nicht.
Bonus: Ston ist berühmt für seine Austern. Die Austernfarmen in der Mali-Ston-Bucht produzieren einige der besten Austern Europas. Ein Dutzend kostet 8-10€ direkt beim Fischer, mit Zitrone und einem Glas Weißwein aus Pelješac dazu. Besser wird es nicht.
5. Trakošćan — Märchenschloss im Zagorje
Nordkroatien, das Zagorje — hügelig, grün, Thermalbäder und Schlösser. Trakošćan ist das fotogenste davon: Ein weißes Schloss auf einem Hügel, umgeben von einem künstlichen See, eingebettet in dichte Wälder. Im Herbst, wenn sich die Blätter färben, sieht es aus wie gemalt. Von der Drohne aus: der See als perfekter Spiegel, das Schloss in der Mitte, die Wälder in Orange und Rot rundherum.
Im Inneren gibt es ein Museum mit Möbeln und Waffen aus dem 14. bis 19. Jahrhundert — interessant, aber der wahre Grund für den Besuch ist die Lage. Rund um den See gibt es einen Spazierweg (30 Minuten), und im nahen Dorf Trakošćan ein Restaurant mit hausgemachter Zagorje-Küche: Štrukli (gefüllte Teigtaschen), Purica z mlincima (Truthahn mit Fladenbrot), dazu ein lokaler Schaumwein.
6. Die Kornaten — 89 unbewohnte Inseln
Der Kornati-Nationalpark besteht aus 89 Inseln und Riffen — und keine einzige ist dauerhaft bewohnt. Von der Drohne aus sieht das wie ein anderer Planet aus: Nackte, weiße Karstfelsen ragen aus türkisblauem Wasser, dazwischen schmale Kanäle, in denen sich Segelboote wie Spielzeuge ausnehmen. Keine Vegetation, keine Häuser, nur Stein und Meer.
Erreichbar per Bootstour ab Murter, Zadar oder Šibenik. Tagestouren kosten 40-60€ und beinhalten Schwimmstopps in einsamen Buchten, Mittagessen (gegrillt auf der Insel) und Schnorcheln. Wer ein Boot chartern kann (mit oder ohne Skipper, ab ca. 200€/Tag) hat die Inseln fast für sich allein — besonders in der Vor- und Nachsaison.
7. Pag — Die Mondinsel mit Spitze und Schafskäse
Pag ist eine Insel, die wie vom Mond gefallen aussieht — karg, steinig, windgepeitscht. Die Bora (ein kalter Fallwind aus dem Velebit-Gebirge) hat über Jahrtausende die Vegetation weggeblasen. Was bleibt: eine bizarre Karstlandschaft, die wie eine Marskolonie aussieht. Von der Drohne aus sind die Kontraste extrem — grauweiße Felsen, vereinzelte Olivenbäume, türkises Meer.
Pag ist berühmt für zwei Dinge: Paški Sir (Pager Schafskäse, einer der besten Käse Europas) und Spitze (Pager Spitze, UNESCO-Kulturerbe). In der Altstadt von Pag kannst du Frauen zusehen, die die Spitze von Hand herstellen — ein Muster dauert Wochen bis Monate. Im Osten der Insel liegt Novalja mit dem Zrće Beach, dem kroatischen Ibiza. Mein Tipp: Der Osten für Party, der Westen für Ruhe. Die Altstadt von Pag und die Salzgewinnungsanlagen im Süden sind kaum besucht und fotografisch gold wert.
8. Motovun — Trüffel-Hauptstadt auf dem Hügel
Motovun ist ein mittelalterliches Städtchen auf einem Hügel im Landesinneren Istriens. 500 Einwohner, eine Stadtmauer, auf der du den gesamten Ort umrunden kannst, und ein Blick ins Mirna-Tal, das als eines der besten Trüffelgebiete der Welt gilt. Der weiße Istrische Trüffel wird hier von Oktober bis Januar gesucht — mit Hunden, nicht mit Schweinen.
In den Restaurants von Motovun bekommst du Trüffel-Pasta für 15-20€ — in Italien zahlst du für vergleichbare Qualität das Dreifache. Mein Favorit: Fuži mit weißem Trüffel und einem Glas Malvazija (lokaler Weißwein). Dazu die Aussicht von der Stadtmauer bei Sonnenuntergang — das Mirna-Tal in goldenem Licht, die Hügel Istriens bis zum Horizont.
9. Biokovo Skywalk — 1.228 Meter über der Adria
Der Biokovo Skywalk ist erst 2020 eröffnet worden und noch weitgehend unbekannt bei deutschen Touristen. Eine gläserne Aussichtsplattform, die 1.228 Meter über der Makarska-Riviera schwebt. Der Blick nach unten durch den Glasboden ist nichts für schwache Nerven — direkt unter dir fällt die Küste fast senkrecht ins Meer ab. Die Adria-Inseln (Brač, Hvar, Vis) liegen wie auf einem Tablett vor dir.
Der Zugang führt über die Biokovo-Höhenstraße im gleichnamigen Naturpark. Mietwagen empfohlen — die Straße ist schmal und kurvig, aber machbar. Oben angekommen gibt es neben dem Skywalk auch Wanderwege durch die Karstlandschaft. Drohne definitiv mitnehmen — die Perspektive von oben auf die Plattform mit der Küste im Hintergrund ist grandios.
Kosten für 3 Wochen Kroatien abseits der Touristenpfade
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Flug (ab Deutschland, retour) | 80–180 € |
| Mietwagen (3 Wochen, inkl. Versicherung) | 350–550 € |
| Fähren (Vis, Lastovo, Inseln) | 80–120 € |
| Unterkunft (21 Nächte, Apartments & Pensionen) | 600–1.000 € |
| Essen & Trinken | 350–550 € |
| Eintritte, Bootstouren & Aktivitäten | 100–200 € |
| Gesamt pro Person | 1.560–2.600 € |
Kroatien ist seit der Euro-Einführung (2023) etwas teurer geworden, aber abseits der Touristen-Hotspots immer noch fair. An der Küste zahlst du in Restaurants 10-18€ für ein Hauptgericht, im Hinterland 8-12€. Unterkünfte über Booking.com oder direkt beim Vermieter (Sobe/Apartmani-Schilder am Straßenrand) sind 30-60€ pro Nacht für ein gutes Apartment.
Beste Reisezeit für Kroatien-Geheimtipps
Mai/Juni und September/Oktober — ohne Frage. Im Juli/August sind selbst die Geheimtipps nicht mehr ganz geheim, die Preise steigen um 30-50%, und die Temperaturen klettern auf 35°C+. Im Mai blüht alles, das Meer hat 20-22°C (baden geht), und die Touristen sind noch nicht da. Im September/Oktober ist das Meer vom Sommer aufgeheizt (24-26°C), die Touristen weg, und die Herbstfarben im Hinterland sind wunderschön.
FAQ
Brauche ich für die Inseln ein eigenes Boot?
Nein — alle genannten Inseln sind per Fähre (Jadrolinija) erreichbar. Vis ab Split (2 Stunden), Lastovo ab Korčula (90 Min), Pag über eine Brücke vom Festland. Für die Kornaten brauchst du eine Bootstour (Tagesausflug). Alternativ: Segelboot chartern, wenn du den Schein hast.
Ist Kroatien noch günstig nach der Euro-Einführung?
Günstiger als Italien oder Griechenland, aber teurer als vor 2023. An der Küste in der Hauptsaison zahlst du ähnlich wie in Spanien. Im Hinterland und in der Nebensaison ist es deutlich günstiger — 40-50% unter dem Küsten-Preisniveau. Mein Tipp: Iss dort, wo die Kroaten essen, nicht dort, wo die Speisekarte auf 5 Sprachen gedruckt ist.
Wie komme ich am besten mit dem Mietwagen durchs Land?
Die A1 (Zagreb-Split-Dubrovnik) ist die Hauptachse, mautpflichtig (ca. 25€ Zagreb-Dubrovnik). Die Küstenstraße (Jadranska Magistrala) ist landschaftlich grandios, aber langsam und kurvig — plan 2x so viel Zeit ein wie Google Maps sagt. Tanken ist etwas günstiger als in Deutschland. Achte darauf: Auf dem Weg nach Dubrovnik durchquerst du kurz Bosnien (Neum-Korridor) — Reisepass mitnehmen!
Kann ich in Kroatien gut drohnenfliegen?
Ja, aber seit Kroatien in der EU ist, gelten die EASA-Drohnenregeln. DJI Mini 5 Pro unter 250g = Kategorie C0/Open, keine Registrierung nötig. In Nationalparks (Plitvicer Seen, Krka, Kornaten) sind Drohnen verboten. An der Küste, über dem Meer und bei den meisten Sehenswürdigkeiten hatte ich keine Probleme. Nicht über Menschenmengen, nicht über Häfen, und Respekt vor der Privatsphäre.
Mehr Reiseberichte: Alle meine Reiseberichte
Über den Autor: Max Haase ist Deutschlands reichweitenstärkster Travel Influencer mit über 4,2 Millionen Followern. Spezialisiert auf Drohnenaufnahmen und Luxusreisen. Kooperationsanfragen hier.





