Norwegen Roadtrip — Fjorde, Lofoten & Nordkap
Norwegen Roadtrip — Warum dieses Land jeden Reisenden verändert
Norwegen ist das Land, das mich als Drohnenfotograf am meisten geprägt hat. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es diese Kombination aus dramatischen Fjorden, einsamen Bergstraßen und einer Natur, die so gewaltig ist, dass selbst die beste Kamera ihr nicht gerecht wird. Im Mai und Juni 2023 habe ich drei Wochen lang einen Roadtrip durch Norwegen gemacht — von Bergen über die Lofoten bis zum Nordkap. Hier ist mein kompletter Guide mit Route, Kosten und den besten Foto-Spots.
Die Route — 4.500 Kilometer in 21 Tagen
Meine Route durch Norwegen war so angelegt, dass ich die wichtigsten Highlights mitnehme, aber auch genug Zeit für spontane Stopps habe. Norwegen ist ein Land, in dem man hinter jeder Kurve anhalten möchte.
Abschnitt 1: Bergen — Geirangerfjord (Tag 1-4)
Bergen ist der perfekte Startpunkt. Die zweitgrößte Stadt Norwegens hat einen lebhaften Hafen, bunte Holzhäuser im Bryggen-Viertel und den Fischmarkt, auf dem du frischen Lachs und Königskrabbe bekommst. Von Bergen aus ging es über die E16 und die Fv60 zum Geirangerfjord — dem vielleicht berühmtesten Fjord der Welt.
Der Geirangerfjord hat mich sprachlos gemacht. Die Steilwände fallen hunderte Meter senkrecht ins Wasser ab, Wasserfälle stürzen von den Klippen, und das Wasser hat diese unmögliche blaugrüne Farbe. Mein Tipp: Fahre zum Aussichtspunkt Ørnesvingen (Adlerstraße). Von dort hast du den klassischen Blick über den gesamten Fjord. Mit der Drohne von diesem Punkt aus zu fliegen war eines meiner absoluten Karriere-Highlights.
Die Fahrt dorthin über die Trollstigen-Passstraße ist ein Erlebnis für sich. Elf Haarnadelkurven, Steigungen bis 10%, und links und rechts Wasserfälle. Die Straße ist nur von Mai bis Oktober geöffnet. Im Camper oder Van ist sie machbar, aber nichts für schwache Nerven.
Abschnitt 2: Atlantikstraße — Trondheim (Tag 5-8)
Die Atlantikstraße (Atlanterhavsveien) ist die berühmteste Straße Norwegens und einer der spektakulärsten Roadtrip-Abschnitte der Welt. Acht Brücken verbinden kleine Inseln über das offene Meer — bei Sturm schlagen die Wellen über die Straße. Ich hatte Glück und sowohl Sturm als auch Sonnenschein erwischt, was dramatische Drohnenaufnahmen ermöglicht hat.
Von der Atlantikstraße ging es weiter nach Trondheim, der drittgrößten Stadt Norwegens. Der Nidarosdom ist die nördlichste gotische Kathedrale der Welt und abends wunderschön beleuchtet. Trondheim selbst hat eine angenehme Größe — groß genug für gute Restaurants und Cafés, aber klein genug, um alles zu Fuß zu erreichen. Ich empfehle den Stadtteil Bakklandet mit seinen bunten Holzhäusern am Fluss.
Abschnitt 3: Lofoten (Tag 9-14)
Die Lofoten sind der Grund, warum ich nach Norwegen gekommen bin. Diese Inselgruppe oberhalb des Polarkreises hat die dramatischste Landschaft, die ich je gesehen habe: spitze Berge, die direkt aus dem Meer aufsteigen, weiße Sandstrände mit türkisem Wasser (ja, nördlich des Polarkreises!), und traditionelle rote Fischerhütten (Rorbu), die fotogener sind als alles in den Tropen.
Ich habe sechs Tage auf den Lofoten verbracht und hätte locker drei Wochen bleiben können. Die wichtigsten Spots:
Reine — Das Postkartenmotiv Norwegens. Der Blick vom Reinebringen-Wanderweg auf die roten Hütten und den Fjord ist unbeschreiblich. Der Aufstieg dauert ca. 1,5 Stunden und ist steil, aber es lohnt sich jeder Tropfen Schweiß. Für Drohnenaufnahmen brauchst du hier keine Wanderung — flieg einfach hoch.
Hamnøy — Direkt neben Reine, mit der berühmten Brücke und den Rorbu im Vordergrund. Bei Sonnenaufgang (der im Juni nie wirklich stattfindet, weil die Sonne nicht untergeht) sind hier die wenigsten Touristen.
Kvalvika Beach — Einer der schönsten Strände Europas, erreichbar nur über eine 45-minütige Wanderung. Weißer Sand, türkises Wasser, umgeben von steilen Bergen. Meine Drohne hat hier Bilder gemacht, die die meisten für tropisch halten.
Henningsvær — Das Fischerdorf mit dem berühmten Fußballplatz auf einer Felseninsel. Dieser Spot sieht von der Drohne aus unwirklich aus — mitten im Meer ein grüner Fußballplatz.
Uttakleiv Beach — Runde Steine, dramatische Berge, perfektes Licht. Der klassische Landschaftsfotografie-Spot der Lofoten.
Abschnitt 4: Tromsø — Nordkap (Tag 15-21)
Von den Lofoten ging es über Tromsø zum Nordkap. Tromsø ist die größte Stadt in Nordnorwegen und überraschend lebendig. Die Eismeerkathedrale ist architektonisch beeindruckend, und die Seilbahn auf den Storsteinen bietet einen Panoramablick über die Stadt und die umliegenden Fjorde.
Das Nordkap selbst ist touristischer als erwartet — ein großer Parkplatz, ein Besucherzentrum und die berühmte Weltkugel-Skulptur. Aber der Moment, wenn du am nördlichsten Punkt Europas stehst und auf das offene Nordpolarmeer schaust, ist trotzdem emotional. Besonders bei Mitternachtssonne. Die Drohne durfte hier leider nicht fliegen — militärisches Sperrgebiet in der Nähe.
Kosten — Was kostet ein Norwegen Roadtrip?
Norwegen ist teuer, daran führt kein Weg vorbei. Aber mit der richtigen Planung ist es machbar.
| Posten | Kosten (21 Tage) |
|——–|—————–|
| Mietwagen/Campervan | 1.800-3.500 € |
| Benzin (4.500 km) | 600-800 € |
| Camping/Stellplätze | 0-30 €/Nacht (Wildcampen legal!) |
| Fähren (3-4 Überfahrten) | 200-350 € |
| Essen (Supermarkt + 3x Restaurant) | 700-1.200 € |
| Mautgebühren/Tunnels | 100-200 € |
| Aktivitäten | 100-300 € |
| Gesamt | 3.500-6.350 € |
Spar-Tipp: Wildcampen ist in Norwegen legal (Allemannsretten — Jedermannsrecht). Du darfst überall in der Natur dein Zelt aufschlagen oder im Auto übernachten, solange du mindestens 150 Meter von bewohnten Gebäuden entfernt bist. Das spart enorm bei den Übernachtungskosten.
Essen: Restaurants sind extrem teuer (ein einfaches Gericht 25-40 €). Koche selbst im Camper oder kaufe im Supermarkt ein. Rema 1000 und Kiwi sind die günstigsten Ketten.
Drohne in Norwegen — Regeln und beste Spots
Norwegen ist ein Drohnen-Paradies, aber es gibt Regeln zu beachten:
Die norwegische Luftfahrtbehörde (Luftfartstilsynet) verlangt seit 2024 eine EU-Drohnenregistrierung. Mit der DJI Mini 5 Pro (unter 250g) brauchst du in den meisten Gebieten nur die Registrierung, keine extra Genehmigung. Verbotszonen: Flughäfen (5 km Radius), Militärgebiete (Nordkap!), Nationalparks nur mit Genehmigung.
Meine Top 5 Drohnen-Spots:
1. Geirangerfjord — Ørnesvingen Aussichtspunkt
2. Reine, Lofoten — Rorbu und Fjord von oben
3. Kvalvika Beach — türkises Wasser zwischen Bergen
4. Atlantikstraße — Brücken über das offene Meer
5. Trollstigen — Serpentinen von oben
Beste Reisezeit für Norwegen
Sommer (Juni-August): Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises, alle Passstraßen geöffnet, beste Zeit für Roadtrips. Nachteil: Touristisch, teurer.
Winter (November-März): Nordlichter, verschneite Landschaften, Lofoten im Winterlicht. Nachteil: Viele Straßen gesperrt, kurze Tage im Süden.
Mein Tipp: Ende Mai bis Mitte Juni. Die Mitternachtssonne beginnt, aber die Hauptsaison hat noch nicht angefangen. Die Trollstigen-Passstraße öffnet meist Ende Mai.
Praktische Tipps für deinen Norwegen Roadtrip
Fähren vorab buchen. Besonders die Fähre auf die Lofoten (Bodø — Moskenes) ist im Sommer schnell ausgebucht. Buche mindestens 2-3 Wochen vorher.
Tankstellen planen. Im Norden können die Abstände zwischen Tankstellen 100+ km betragen. Tanke bei jeder Gelegenheit nach.
Wetter-App nutzen. Das Wetter in Norwegen ändert sich stündlich. Yr.no ist die genaueste Wetter-App für Norwegen.
Warme Kleidung auch im Sommer. Auf den Lofoten kann es auch im Juni nachts 5°C werden. Layering ist der Schlüssel.
Barzahlung vergessen. Norwegen ist fast komplett bargeldlos. Kreditkarte reicht überall.
FAQ — Norwegen Roadtrip
Brauche ich ein spezielles Auto für Norwegen?
Im Sommer reicht jedes normale Auto. Allrad ist nur im Winter oder auf Schotterpisten im Norden nötig. Ein Campervan ist ideal für Wildcamping.
Ist Wildcampen wirklich überall erlaubt?
Ja, das Jedermannsrecht (Allemannsretten) erlaubt das Übernachten in der Natur. Regeln: Mindestens 150m von Gebäuden, maximal 2 Nächte am selben Ort, keinen Müll hinterlassen.
Wie lange sollte ich für einen Norwegen Roadtrip einplanen?
Minimum 10 Tage für Bergen — Lofoten. Ideal: 3 Wochen für die komplette Route bis zum Nordkap. Weniger als eine Woche lohnt sich kaum — die Distanzen sind riesig.
Sind die Straßen gut?
Die Hauptstraßen (E-Straßen) sind hervorragend. Nebenstraßen und Küstenstraßen können eng und kurvig sein. Tunnel gibt es überall — der längste (Lærdalstunnel) ist 24,5 km lang.
Wann ist die beste Zeit für Nordlichter?
September bis März, am besten nördlich von Tromsø. Die Lofoten bieten die dramatischste Kulisse für Nordlichter, weil die Berge die Aurora perfekt einrahmen.
Über den Autor: Max Haase ist Deutschlands reichweitenstärkster Travel Influencer mit über 4,2 Millionen Followern. Spezialisiert auf Drohnenaufnahmen und Luxusreisen. Kooperationsanfragen hier.






