Wie ich mit Reisen Geld verdiene — Mein Business Modell
Wie ich mit Reisen Geld verdiene — Mein komplettes Business-Modell
Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird: „Max, wie verdienst du eigentlich Geld mit Reisen?“ Die kurze Antwort: Es ist ein Vollzeit-Business mit mehreren Einkommensströmen. Die lange Antwort findest du in diesem Beitrag — ehrlich, transparent und mit echten Zahlen.
Ich reise seit über zehn Jahren professionell und habe mir in dieser Zeit ein Business aufgebaut, das mir erlaubt, von überall auf der Welt zu arbeiten. Aber der Weg dahin war alles andere als einfach. Hier ist mein komplettes Geschäftsmodell.
Die 5 Säulen meines Einkommens
Säule 1: Bezahlte Kooperationen (60-70% des Umsatzes)
Der größte Teil meiner Einnahmen kommt aus bezahlten Partnerschaften mit Tourism Boards, Hotels, Airlines und Premium-Marken. Dazu gehören:
- Tourism Board Kampagnen: Komplette Reiseprogramme, bei denen ich ein Land oder eine Region besuche und Content erstelle. Honorare im hohen vier- bis fünfstelligen Bereich.
- Hotel-Kooperationen: Aufenthalte in Luxushotels (Hilton, Rixos, Melia) inklusive Content-Produktion. Nicht nur „Übernachtung gegen Post“ — sondern bezahlte Kampagnen mit klarem Briefing.
- Brand Deals: Langfristige Partnerschaften mit Marken wie Audi, BMW, Sony, Turkish Airlines. Diese sind oft die lukrativsten, weil sie über mehrere Monate laufen.
- Sponsored Content: Einzelne bezahlte Posts oder Story-Sets für Produkte, die zu meiner Zielgruppe passen.
Die Preise variieren stark je nach Umfang: Ein einzelnes Story-Set startet im hohen vierstelligen Bereich. Eine komplette Kampagne mit Reise, Reels und Blog kann deutlich fünfstellig werden. Bei Duo-Kampagnen mit Janet (2,3 Millionen Follower) beginnen die Preise bei rund 12.700 € für Story-Pakete und können bei großen Kampagnen auf 45.000 €+ steigen.
Säule 2: Content-Produktion für Dritte (15-20%)
Viele Tourism Boards und Hotels buchen mich nicht nur für meine Reichweite, sondern explizit für meine Content-Produktion. Das heißt: Ich erstelle professionelle Fotos und Videos, die der Auftraggeber für seine eigenen Kanäle nutzt — Website, Broschüren, Social Media, Anzeigen.
Diese „Content-for-Hire“-Aufträge werden separat vergütet, oft zusätzlich zum Influencer-Honorar. Die Nutzungsrechte sind ein eigener Verhandlungspunkt: Zeitlich begrenzt vs. unbegrenzt, regional vs. weltweit, exklusiv vs. nicht-exklusiv. Je umfangreicher die Nutzungsrechte, desto höher der Preis.
Säule 3: Affiliate-Marketing (5-10%)
Über meinen Blog und meine Social-Media-Kanäle empfehle ich Produkte und Services, die ich selbst nutze — und erhalte eine Provision, wenn jemand darüber kauft. Das sind hauptsächlich:
- Kamera-Equipment und Drohnen (Amazon Affiliate-Links)
- Reiseversicherungen (HanseMerkur Partnerprogramm)
- Buchungsplattformen (Booking.com, GetYourGuide)
- Software und Apps (Lightroom, VPN-Dienste)
Affiliate-Marketing ist kein riesiger Umsatzbringer, aber ein passives Einkommen, das auch dann fließt, wenn ich gerade nicht aktiv content erstelle. Mein Blog-Artikel über Reisekrankenversicherungen generiert zum Beispiel jeden Monat Provisionen — ganz ohne aktives Zutun.
Säule 4: Beratung und Consulting (5-10%)
Mit über zehn Jahren Erfahrung im Influencer-Marketing werde ich zunehmend als Berater gebucht. Tourism Boards und Agenturen wollen verstehen, wie sie ihre Influencer-Strategie optimieren können. Hotels fragen, wie sie ihren Content verbessern können. Und aufstrebende Creator buchen Mentoring-Sessions.
Diese Beratungstätigkeit hat sich organisch entwickelt und bringt mittlerweile einen soliden Einkommensanteil. Pro Beratungstag berechne ich einen vierstelligen Tagessatz.
Säule 5: Passives Einkommen (2-5%)
Der kleinste, aber wachsende Anteil kommt aus passiven Quellen: Stockfotografie (meine Drohnenbilder verkaufen sich gut auf Adobe Stock), ältere Blogbeiträge mit SEO-Traffic und gelegentliche Lizenzierungen meiner bestehenden Bilder.
Typischer Monat — So sehen die Zahlen aus
Um es greifbar zu machen, hier ein typischer Arbeitsmonat (Zahlen gerundet, zur Veranschaulichung):
| Aktivität | Tage | Umsatz (brutto) |
|---|---|---|
| Tourism Board Kampagne | 7 | Hoher 4-stelliger Bereich |
| Hotel-Review (2 Hotels) | 4 | Mittlerer 4-stelliger Bereich |
| Brand Deal (3 Posts + Stories) | 2 | Mittlerer 4-stelliger Bereich |
| Post-Production | 8 | (im Honorar inkludiert) |
| Affiliate-Einnahmen | passiv | Niedriger 3-stelliger Bereich |
| Business-Management | 5 | (Overhead) |
Von dem Brutto-Umsatz gehen ab: Steuern (ca. 30-40%), Equipment-Kosten, Reisekosten die nicht vom Partner übernommen werden, Versicherungen, Software-Abos, Buchhaltung, und gelegentlich Assistenz für große Projekte.
Der Weg dahin — Wie ich angefangen habe
2014 habe ich meinen Instagram-Account gestartet. Die ersten zwei Jahre habe ich keinen einzigen Cent verdient — nur auf eigene Kosten gereist und Content gepostet. Mein erster bezahlter Deal kam bei etwa 50.000 Followern: Ein kleines Hotel in Griechenland bot mir eine Nacht gegen einen Post. Rückblickend ein schlechter Deal, aber damals fühlte es sich wie der Jackpot an.
Der Durchbruch kam 2017, als ich die 500.000-Follower-Marke knackte. Plötzlich meldeten sich nicht mehr nur Hotels, sondern Tourism Boards und große Marken. Mein erster fünfstelliger Deal war eine Kooperation mit einem Automobil-Hersteller — und ab da wusste ich: Das kann ein echtes Business werden.
Heute, mit über 4,2 Millionen Followern und 82+ bereisten Ländern, sind die Deals größer, die Partner renommierter und das Business stabiler. Aber die Grundprinzipien sind gleich geblieben: Hochwertiger Content, Professionalität und ein klarer Marktwert.
Die unbequemen Wahrheiten über das Geldverdienen mit Reisen
Es ist kein Urlaub
Die Vorstellung, den ganzen Tag am Strand zu liegen und dafür bezahlt zu werden, ist ein Mythos. An einem typischen Reisetag stehe ich vor Sonnenaufgang auf (bestes Drohnenlicht), shoote 6-8 Stunden, bearbeite abends Bilder und poste Stories. Das sind 12-14-Stunden-Tage. Urlaub mache ich separat — und dann lasse ich die Kamera zu Hause.
Du brauchst Business-Skills, nicht nur Kreativität
Guter Content allein reicht nicht. Du brauchst Verhandlungsgeschick, Buchhaltung, Vertragsverständnis, Steuerwissen, Preiskalkulation und Marketing-Know-how. Viele talentierte Creator scheitern nicht an ihrem Content, sondern an ihrem fehlenden Geschäftssinn.
Die Einnahmen schwanken stark
Influencer-Einkommen ist nicht linear. Es gibt Monate mit drei großen Deals und Monate mit null. Saisonalität spielt eine Rolle (Q4 ist stark wegen Weihnachtskampagnen, Januar ist oft ruhig). Ein finanzieller Puffer von mindestens sechs Monaten Lebenshaltungskosten ist Pflicht.
Followerzahlen allein bringen kein Geld
1 Million Follower mit 0,5% Engagement Rate sind weniger wert als 100.000 Follower mit 5% Engagement. Marken schauen längst nicht mehr nur auf die Followerzahl — Engagement, Zielgruppe, Content-Qualität und Glaubwürdigkeit sind mindestens genauso wichtig.
5 Tipps für angehende Travel Creator
1. Finde deine Nische
„Reise-Influencer“ ist keine Nische — das sind Millionen. „Drohnenfotografie in Vulkanlandschaften“? Das ist eine Nische. Je spezifischer dein Fokus, desto klarer dein Profiling und desto einfacher die Monetarisierung.
2. Investiere in Qualität, nicht in Quantität
Ein herausragender Post pro Woche schlägt fünf mittelmäßige. Lerne Fotografie, Videoschnitt und Storytelling — das ist dein Handwerk.
3. Baue ein Media Kit
Ab 10.000 Followern solltest du ein professionelles Media Kit haben. Echte Zahlen, keine aufgebauschten Metriken. Marken durchschauen Fake-Follower sofort.
4. Diversifiziere dein Einkommen
Verlass dich nie auf eine einzige Einkommensquelle. Instagram-Algorithmen ändern sich, Plattformen kommen und gehen. Blog, YouTube, Affiliate, Beratung — je mehr Standbeine, desto stabiler.
5. Sag nein zu Barter-Deals
Deine Arbeit hat einen Wert. Wenn eine Marke kein Budget hat, ist sie kein Partner. Ausnahmen gibt es nur für strategisch wertvolle Projekte, die dein Portfolio aufwerten.
FAQ — Häufige Fragen zum Geldverdienen mit Reisen
Ab wie vielen Followern kann man von Reisen leben?
Das hängt von vielen Faktoren ab — Engagement Rate, Nische, Qualität, Verhandlungsgeschick. Realistisch: Mit 50.000-100.000 engagierten Followern und einer klaren Nische kannst du erste nennenswerte Einnahmen erzielen. Davon leben? Das wird ab 200.000-500.000 Followern realistisch — wenn du professionell auftrittst.
Muss ich Steuern zahlen?
Ja, auf jedes Einkommen — auch Sachleistungen wie kostenlose Hotelübernachtungen oder Flüge. Ein Steuerberater ist ab dem ersten bezahlten Deal Pflicht. Die gute Nachricht: Reisekosten, Equipment und sogar ein Anteil deiner Miete (Homeoffice) sind als Betriebsausgaben absetzbar.
Brauchst du ein Gewerbe?
Ja. Sobald du regelmäßig Einnahmen erzielst, brauchst du ein angemeldetes Gewerbe. In Deutschland ist das unkompliziert — ein Gewerbeschein beim lokalen Gewerbeamt kostet 20-65 € und ist in 15 Minuten erledigt.
Wie viel arbeite ich wirklich?
Im Schnitt 40-60 Stunden pro Woche. Davon sind vielleicht 30% „sichtbare“ Arbeit (Reisen, Fotografieren, Posten) und 70% „unsichtbare“ Arbeit (Bearbeitung, Verhandlungen, Emails, Buchhaltung, Planung). Es ist ein Fulltime-Job, kein Hobby.
Fazit — Ja, man kann mit Reisen Geld verdienen. Aber…
Mit Reisen Geld zu verdienen ist möglich — ich bin der lebende Beweis. Aber es erfordert jahrelange Arbeit, Investitionen, Professionalität und die Bereitschaft, aus dem vermeintlichen Traumjob ein echtes Business zu machen. Wenn du bereit bist, diesen Weg zu gehen, wartet eine der erfüllendsten Karrieren, die ich mir vorstellen kann.
Über den Autor: Max Haase ist Deutschlands reichweitenstärkster Travel Influencer mit über 4,2 Millionen Followern. Spezialisiert auf Drohnenaufnahmen und Luxusreisen. Kooperationsanfragen hier.
Mein täglicher Workflow als Travel Creator
Um dir einen noch besseren Einblick zu geben, hier mein typischer Tagesablauf auf einer bezahlten Reise:
5:30 — Aufstehen. Vor dem Frühstück starte ich die Drohne für Sunrise-Shots. Das Morgenlicht ist Gold wert — weich, warm und dramatisch. Die modernste Reisedrohne ist in 2 Minuten startklar.
7:00 — Frühstück und Instagram Stories. Während ich esse, poste ich die ersten Behind-the-Scenes-Stories. Authentisch, ungefiltert, direkt aus dem Moment.
8:30-12:00 — Content-Produktion. Das ist die produktivste Phase. Location Scouting, Fotografieren mit der professionelle Vollformatkamera, Action-Cam-Footage, B-Roll für Reels. An guten Tagen shoote ich 300-500 Bilder und 30-60 Minuten Videomaterial.
12:00-13:00 — Mittagspause. Auch auf bezahlten Reisen brauche ich Pausen. Außerdem: Restaurant-Content produziert sich quasi nebenbei.
13:00-17:00 — Weitere Locations. Nachmittags-Licht ist härter, also fokussiere ich auf Architektur, Interiors und Action-Shots wo Schatten weniger stören.
17:00-19:00 — Golden Hour. Die zweite magische Phase des Tages. Drohne raus, Kamera raus — jede Minute zählt. Manche meiner besten Bilder entstanden in diesen zwei Stunden.
19:00-20:00 — Abendessen. Oft mit dem Tourism Board Team oder lokalen Guides. Networking ist Teil des Jobs.
20:00-23:00 — Post-Production. Bilder importieren, erste Selektion in Lightroom, 2-3 Bilder fertig bearbeiten für den nächsten Tag, Reel-Schnitt in LumaFusion. Dazu: Instagram-Engagement beantworten — Kommentare, DMs, Community-Pflege.
23:00 — Schlaf. Um 5:30 klingelt der Wecker wieder.
Das ist kein Urlaub — das ist konzentrierte, kreative Arbeit in einer inspirierenden Umgebung. Und genau deshalb liebe ich diesen Job: Weil er mich jeden Tag herausfordert und ich die Welt dabei entdecke.
Die größten Mythen über Travel Creator
Mythos: „Du fliegst einfach irgendwohin und postest ein Foto“
Realität: Hinter jedem einzelnen Post stecken 3-5 Stunden Arbeit — Location Research, Anreise, Shooting, Bearbeitung, Texten, Hashtag-Recherche, Community-Engagement. Ein einziges Bild, das aussieht wie „spontan“, ist oft das Ergebnis von 50+ Versuchen.
Mythos: „Jeder kann das machen“
Realität: Technisch kann jeder einen Instagram-Account eröffnen. Aber davon leben können weniger als 0,1% aller Creator. Es braucht eine Kombination aus Kreativität, Business-Sinn, Ausdauer und — ja — auch Glück und Timing.
Mythos: „Influencer verdienen leicht viel Geld“
Realität: Die Einkommensschwankungen sind brutal. Ein Monat kann hervorragend sein, der nächste leer. Dazu kommen hohe Betriebskosten: Equipment (8.000 €+), Versicherungen (600 €/Jahr), Software-Abos (200 €/Monat), Reisekosten, Steuerberater. Von einem Brutto-Umsatz im mittleren fünfstelligen Bereich bleibt nach Abzug aller Kosten und Steuern deutlich weniger übrig als man denkt.
Mythos: „Das geht nur wenn man jung und attraktiv ist“
Realität: Die erfolgreichsten Travel Creator, die ich kenne, punkten mit Expertise, Storytelling und einzigartigen Perspektiven — nicht mit Aussehen. Eine 55-jährige Wanderexpertin kann in ihrer Nische erfolgreicher sein als ein 25-jähriger mit perfektem Sixpack.
Mein bester finanzieller Rat für angehende Creator
Bevor du deinen Job kündigst, um „Vollzeit-Influencer“ zu werden: Baue dein Creator-Business nebenbei auf. Kündige erst, wenn dein monatliches Influencer-Einkommen mindestens 6 Monate lang deine Lebenshaltungskosten deckt. Ich habe den Sprung bei 200.000 Followern gewagt, als mein monatliches Einkommen aus Kooperationen stabil im vierstelligen Bereich lag. Das war retrospektiv der richtige Zeitpunkt — früher wäre es zu riskant gewesen.
Geldverdienen mit Reisen ist kein Traum — es ist ein Business. Und wie jedes Business erfordert es Planung, Disziplin und die Bereitschaft, hart zu arbeiten. Wenn du das verstehst, stehen dir alle Türen offen.
Einkommensströme die ich noch aufbauen will
Selbst nach über zehn Jahren als Creator sehe ich noch ungenutztes Potenzial. Drei Bereiche, die ich 2025 und 2026 ausbauen möchte:
YouTube: Lange Videos sind der nächste logische Schritt. YouTube-Revenue durch Ads ist zwar kleiner als direkte Brand-Deals, aber die Plattform hat eine viel längere Content-Lebensdauer als Instagram. Ein gutes YouTube-Video generiert auch noch drei Jahre nach dem Upload Views und Einnahmen.
Digitale Produkte: Lightroom-Presets, Drohnen-Guides, ein E-Book über „Travel Creator werden“ — alles Produkte, die ich einmal erstelle und unbegrenzt verkaufen kann. Skalierbar, ohne zusätzlichen Zeitaufwand pro Verkauf.
Speaking-Engagements: Vorträge auf Konferenzen wie der ITB Berlin oder Marketing-Events. Als einer der erfolgreichsten deutschen Travel Creator habe ich Expertise, die für die Branche wertvoll ist. Typische Speaker-Fees liegen bei 2.000-5.000 € pro Auftritt — ein attraktives Zusatzeinkommen.
Das Schöne am Creator-Business: Es entwickelt sich ständig weiter. Neue Plattformen, neue Formate, neue Monetarisierungsmöglichkeiten. Wer am Ball bleibt und sich anpasst, hat die besten Karten — für die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus.












