E5 Alpenüberquerung packen — Meine Packliste
E5 Alpenüberquerung Packliste — Was du wirklich brauchst (und was nicht)
Im Juli 2024 bin ich die E5-Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran gelaufen. Sechs Tage, über 100 Kilometer, mehr als 5.000 Höhenmeter. Und ich kann dir sagen: Die Packliste entscheidet, ob diese Wanderung das Highlight deines Jahres oder eine schmerzhafte Tortur wird.
- Rucksack: 35–40 Liter Volumen, 80 Prozent des Gewichts auf der Hüfte — Osprey Kestrel 38 oder Deuter Aircontact Lite 40+10.
- Gewicht-Ziel: Unter 8,7 kg inklusive Trinkwasser — Schichtprinzip aus Merino-Baselayer, Daunenjacke und Gore-Tex-Hardshell.
- Schuhe: Wasserdichte Bergschuhe Kategorie B wie Salomon X Ultra 4 Mid GTX, mindestens 50 km vor dem Trip einlaufen.
- Socken: Zwei Paar Merino-Wandersocken (Smartwool PhD) für 25 Euro pro Paar — die beste Investition gegen Blasen.
- Pflicht-Skip: Kein Zelt, kein Kochset, kein Poncho — auf einer Hütten-Tour mit Halbpension reine Gewichtsverschwendung.
Ich habe in meiner Vorbereitung dutzende Packlisten gelesen — und fast alle waren entweder zu minimalistisch (fehlende warme Kleidung für die 3.000er-Pässe) oder zu überladen (wer braucht drei Paar Socken pro Tag?). Hier ist meine praxiserprobte Packliste, sortiert nach Kategorie, mit dem exakten Gewicht jedes Gegenstands. Mein Gesamtgewicht lag bei 8,7 Kilogramm — leicht genug für die langen Aufstiege, aber ausreichend für alle Wetterbedingungen.
Der Rucksack — Das wichtigste Ausrüstungsstück
Dein Rucksack muss zwischen 30 und 40 Litern Volumen haben. Kleiner geht nicht, größer verleitet zum Vollpacken. Ich bin mit dem Osprey Kestrel 38 gelaufen, der mit 1,4 kg eines der leichtesten Modelle in dieser Größe ist. Wichtig: Probiere den Rucksack BELADEN im Geschäft an. Die Hüftgurte müssen auf deinem Beckenkamm sitzen, nicht auf dem Bauch. 80 Prozent des Gewichts sollten auf der Hüfte liegen, nur 20 Prozent auf den Schultern. Wenn du nach 30 Minuten Schulterschmerzen bekommst, ist der Rucksack falsch eingestellt oder das falsche Modell.
Alternative Empfehlungen: Deuter Aircontact Lite 40+10 (etwas schwerer, aber extrem bequem), Gregory Zulu 35 (leichter, etwas weniger Volumen).
Kleidung — Das Schichtprinzip
Auf dem E5 erlebst du an einem Tag Temperaturen von 5 bis 30 Grad Celsius. Morgens frierst du am Gletscher, mittags schwitzt du im Tal. Das Schichtprinzip (Base Layer, Mid Layer, Outer Layer) ist nicht optional — es ist überlebenswichtig.
Base Layer (direkt auf der Haut)
Merinowolle ist das Zaubermaterial. Ich hatte zwei Merino-T-Shirts dabei (Icebreaker Tech Lite, je 150g) und habe jeden Abend gewechselt. Merinowolle reguliert die Temperatur, leitet Schweiß ab und stinkt selbst nach drei Tagen nicht. Synthetik-Shirts stinken nach zwei Stunden wie ein Fitnessstudio. Für die Unterhose gilt das gleiche: Merino-Boxershorts (2 Stück) statt Baumwolle. Baumwolle wird nass, trocknet nicht und scheuert.
Mid Layer (Wärme)
Ein Fleece oder eine dünne Daunenjacke für die Hütten am Abend und die kalten Morgen. Ich hatte eine Rab Microlight Alpine Daunenjacke (380g, Packmaß einer Wasserflasche). Die hat mich auf dem Martin-Busch-Weg bei 4 Grad und Wind gerettet. Alternative: Patagonia Nano Puff (synthetisch, funktioniert auch nass). Ein dünner Fleece-Pullover als zweite Wärmeschicht bei extremer Kälte schadet nicht und wiegt nur 200g.
Outer Layer (Wetter)
Eine wasserdichte, atmungsaktive Hardshell-Jacke ist Pflicht. Gore-Tex oder gleichwertiges Material. Ich hatte die Arc’teryx Beta LT (350g) — teuer, aber jedes Gramm wert. Am vierten Tag hat es drei Stunden ununterbrochen geschüttet. Die Jacke hat alles abgehalten. Regenhose: Optional, wenn du eine Hardshell-Jacke hast, die über den Po reicht. Ich hatte eine leichte Montane Pac Plus Pants dabei (nur für den Notfall, nie gebraucht).
Wanderhose
Eine einzige Wanderhose mit abnehmbaren Beinen (Zip-off). Ich hatte die Fjällräven Abisko Midsummer (250g). Morgens lang, mittags kurz. Am Abend auf der Hütte habe ich die lange Version getragen. Keine Jeans, kein Denim, keine Baumwolle. Die trocknen nicht und wiegen nass doppelt so viel.
Socken — Unterschätze sie nicht
Zwei Paar Merino-Wandersocken (Smartwool PhD Outdoor Medium Crew). Ein Paar zum Laufen, eins zum Trocknen. Socken sind das am meisten unterschätzte Ausrüstungsstück. Billige Socken = Blasen. Punkt. Ich habe die Smartwool-Socken auf allen sechs Etappen getragen und hatte KEINE einzige Blase. Die Investition von 25 Euro pro Paar lohnt sich absolut.
Schuhe — Die Gretchenfrage
Knöchelhohe Bergstiefel oder leichte Trailrunner? Darüber streiten E5-Wanderer erbittert. Meine Erfahrung: Für die Standardroute (nicht die Gletschervariante) reichen leichte, knöchelhohe Wanderschuhe der Kategorie B/C. Ich bin mit den Salomon X Ultra 4 Mid GTX gelaufen (420g pro Schuh, knöchelhoch, Gore-Tex). Die waren leicht genug für lange Tage, aber stabil genug für Geröllfelder und Schneefelder.
Technik & Foto-Equipment
Hier wird es für mich als Content Creator interessant. Ich habe natürlich mehr Technik dabei als der durchschnittliche Wanderer:
| Gegenstand | Gewicht |
|---|---|
| Drohne + 3 Akkus | 480g |
| Kamera + Weitwinkelobjektiv | 1.200g |
| Action-Cam | 145g |
| Smartphone (iPhone 15 Pro) | 187g |
| Powerbank (20.000 mAh) | 350g |
| Ladekabel (3x USB-C) | 60g |
| Gesamt Technik | 2.422g |
Das sind 2,4 Kilo nur für Technik — ein Viertel meines Gesamtgewichts. Der durchschnittliche Wanderer kann hier 1,5 Kilo sparen, indem er nur mit dem Smartphone fotografiert. Aber für mich als Creator gehört die Drohne zum E5 wie der Bergschuh. Die Aufnahmen vom Vernagt-Stausee und der Similaunhütte von oben — dafür bin ich den E5 gelaufen.
Wenn du nur eine Kamera mitnimmst: Drohne. 250 Gramm, passt in die Jackentasche, macht 48-MP-Fotos und 4K-Video. Die Drohne hat auf dem E5 die epischsten Bilder geliefert — die Sony war für Detailaufnahmen, aber die Drohnenperspektive auf die Alpenlandschaft ist unschlagbar.
Hygiene & Sonstiges
Auf den Hütten gibt es Waschräume, aber kein Luxus. Meine Hygiene-Liste: Zahnbürste (Mini), kleine Zahnpasta, Biodegradable Seife (50ml, dient auch als Shampoo und Waschmittel), Sonnencreme SPF50 (unbedingt!), Lippenbalsam mit UV-Schutz, Blasenpflaster (Compeed, 6 Stück), Erste-Hilfe-Set (minimal: Pflaster, Ibuprofen, Tape, Desinfektionsspray), Stirnlampe (Petzl Actik Core, 75g), Hüttenschlafsack (Pflicht!), Trinkflasche 1 Liter + Wasserblase 1,5 Liter. Ohrstöpsel für die Hütten — schnarcht einer im 20-Bett-Lager, schläfst du ohne Ohrstöpsel nicht.
Komplette Packliste als Tabelle
| Kategorie | Gegenstand | Gewicht |
|---|---|---|
| Rucksack | Osprey Kestrel 38 | 1.400g |
| Kleidung | 2x Merino-T-Shirt | 300g |
| 2x Merino-Boxershort | 120g | |
| Daunenjacke | 380g | |
| Hardshell-Jacke | 350g | |
| Zip-Off-Wanderhose | 250g | |
| 2x Merino-Wandersocken | 160g | |
| Fleece (dünn) | 200g | |
| Mütze + Buff | 80g | |
| Handschuhe (dünn) | 40g | |
| Schuhe | Salomon X Ultra 4 Mid GTX | 840g |
| Technik | Siehe oben | 2.422g |
| Hygiene | Komplettpaket | 600g |
| Sonstiges | Hüttenschlafsack | 300g |
| Trinkblase + Flasche | 350g | |
| Wanderstöcke (Leki) | 480g | |
| Sonnenbrille | 30g | |
| Regenschutz Rucksack | 50g | |
| GESAMT | 8.352g |
Was du NICHT mitnehmen solltest
Aus Erfahrung: Laptop (zu schwer, keine Steckdosen auf Hütten), Jeans oder Baumwoll-Kleidung (wird nass, trocknet nie), mehr als 2 Paar Socken (du wäschst abends), ein Buch (Kindle oder Smartphone reicht), Handtuch (Hütten haben Handtücher oder nimm ein ultraleichtes Mikrofaser), eine zweite Hose (eine reicht, wirklich), Kochausrüstung (du isst auf den Hütten).
FAQ — E5 Packliste
Wie schwer sollte mein Rucksack maximal sein?
Faustregel: Maximal 20 Prozent deines Körpergewichts. Bei 75 kg also maximal 15 kg. Realistisches Ziel für den E5: 8-12 kg. Mein Rucksack wog 8,4 kg ohne Wasser, 10 kg mit vollem Trinksystem. Das war sehr komfortabel, auch auf den langen Aufstiegen.
Brauche ich Wanderstöcke?
Ja, dringend empfohlen. Wanderstöcke entlasten deine Knie beim Abstieg um bis zu 25 Prozent und geben Stabilität auf Schneefeldern und Geröll. Ich hatte Leki Micro Vario Carbon (480g, faltbar) und habe sie auf jeder Etappe benutzt.
Kann ich unterwegs Wäsche waschen?
Ja, auf den meisten Hütten gibt es Waschbecken. Mit Biodegradable Seife kannst du Merino-Kleidung schnell auswaschen und über Nacht trocknen lassen. Merino trocknet schneller als Synthetik.
Muss ich den Hüttenschlafsack selbst mitbringen?
Ja, ein Hüttenschlafsack (auch Inlet oder Inlay genannt) ist auf allen DAV-Hütten Pflicht. Du kannst ihn auch auf der Hütte leihen (5-10 Euro), aber mitnehmen ist leichter und hygienischer.
Wie lade ich meine Elektronik auf den Hütten?
Die meisten Hütten haben Steckdosen in den Aufenthaltsräumen — aber nicht in den Schlafräumen. Eine 20.000-mAh-Powerbank reicht für 6 Tage (1x Smartphone, 1x Drohne, 1x Action Cam laden). Lade die Powerbank auf jeder Hütte nach, wo Steckdosen frei sind. Tipp: Nimm ein Multi-USB-Kabel mit, dann lädst du drei Geräte gleichzeitig.






