Sony A7 IV für Reisefotografie — Mein ehrliches Review
Warum ich von Canon zu Sony gewechselt bin — und nie zurückgeschaut habe
Die Sony A7 IV ist seit über drei Jahren mein täglicher Begleiter auf Reisen. Drei Jahre, in denen ich sie durch 30 Länder geschleppt habe — von minus 10 Grad in den albanischen Alpen bis plus 48 Grad in der saudi-arabischen Wüste. Sie hat Sandstürme, Tropenregen, Salzwassernebel und mehr Flughafen-Sicherheitskontrollen überlebt, als ich zählen kann. Dieses Review ist kein Labortest. Es ist ein Erfahrungsbericht aus dem echten Leben eines professionellen Reisefotografen mit über 4 Millionen Followern.
Bevor ich zur Sony kam, habe ich mit Canon fotografiert. Die 5D Mark IV war jahrelang mein Arbeitstier. Der Wechsel zu Sony fiel mir nicht leicht — ich hatte eine Bibliothek an Canon-Objektiven, kannte jedes Menü blind. Aber die Argumente für Sony waren 2022 einfach zu stark. Hier ist, was mich überzeugt hat — und was mich nach wie vor stört.
Technische Daten: Was die Sony A7 IV mitbringt
Sensor: 33 MP Vollformat Exmor R CMOS (rückseitig belichtet)
Prozessor: BIONZ XR
ISO-Bereich: 100-51.200 (erweiterbar auf 50-204.800)
Autofokus: 759 Phasen-AF-Punkte, Echtzeit-Tracking für Menschen, Tiere, Vögel
Verschluss: Mechanisch 1/8000s, Elektronisch 1/8000s (lautlos)
Video: 4K/60fps 10-Bit 4:2:2 intern, S-Log3, HLG
Display: 3 Zoll vollständig schwenkbar
Kartenslots: CFexpress Type A + SD UHS-II (Dual Slot)
Gewicht: 659 g (mit Akku und Speicherkarte)
Preis: Circa 2.500 Euro (UVP 2.799 Euro, gebraucht ab 1.800 Euro)
Der 33-MP-Sensor: Der Sweet Spot für Reisefotografie
33 Megapixel klingt im Zeitalter der 61-MP-A7R V fast bescheiden. Aber für Reisefotografie ist das exakt der Sweet Spot — und ich erkläre dir warum. Mehr Megapixel bedeuten größere Dateien, die mehr Speicherplatz und mehr Rechenleistung für die Bearbeitung brauchen. Auf einer dreiwöchigen Reise schieße ich 3.000 bis 5.000 Bilder. Bei 33 MP sind das circa 150-250 GB RAW-Daten. Bei 61 MP wären es doppelt so viel — und mein MacBook Pro würde bei der Bearbeitung in Lightroom deutlich langsamer reagieren.
Gleichzeitig sind 33 MP genug, um großformatig zu drucken (locker bis A2), großzügig zu croppen (für Instagram-Reels aus Querformat-Bildern) und genug Detail für jeden redaktionellen Zweck zu haben. Kein Tourism Board, kein Hotel und kein Magazin hat jemals gesagt: „Die Auflösung reicht nicht.“ 33 MP reichen für 99 Prozent aller professionellen Anwendungen.
Der rückseitig belichtete CMOS-Sensor (BSI) liefert eine exzellente High-ISO-Performance. Bis ISO 3200 sind die Bilder praktisch rauschfrei, bis ISO 6400 für Social Media absolut brauchbar, und selbst ISO 12800 lässt sich in Lightroom mit der AI-Rauschreduzierung noch retten. Das bedeutet: In Restaurants, bei Nachtmärkten, in schlecht beleuchteten Moscheen — überall, wo kein Blitz erlaubt ist — liefert die A7 IV brauchbare Ergebnisse.
Autofokus: Der wahre Gamechanger
Wenn mich jemand fragt, was der einzelne größte Vorteil der Sony A7 IV gegenüber meiner alten Canon 5D Mark IV ist, ist die Antwort immer: der Autofokus. Der Echtzeit-Tracking-AF mit 759 Phasen-AF-Punkten verfolgt Gesichter, Augen, Tiere und sogar Vögel im Flug mit einer Trefferquote, die an Zauberei grenzt.
Ein konkretes Beispiel: Safari in Kenia, Masai Mara. Ein Leopard springt von einem Baum und rennt durch hohes Gras. Mit meiner Canon hätte ich vielleicht 3 von 20 Bildern scharf bekommen. Mit der Sony waren 17 von 20 Bildern tack-scharf — die Augen des Leoparden, nicht die Ohren, nicht das Gras davor. Der AF hat das Auge erkannt und gehalten, selbst als der Leopard zeitweise vom Gras verdeckt war.
Im Alltag als Reisefotograf ist der Augen-AF bei Porträts ein Segen. Ich kann mich voll auf Komposition und den Moment konzentrieren, ohne mir Sorgen um die Schärfe zu machen. Bei Straßenfotografie in Marrakesch, bei Events in Dubai, bei Porträts am Strand — der Fokus sitzt, jedes Mal.
Video: Die A7 IV als Hybrid-Maschine
4K/60fps in 10-Bit 4:2:2 intern — das war 2022 bei Kameras unter 3.000 Euro ein Novum. Und es ist nach wie vor beeindruckend. Die interne Aufnahme bedeutet: Kein externer Recorder nötig, kein HDMI-Kabel das im Weg hängt, kein zusätzliches Gerät das Strom braucht. Für einen Reise-Creator, der mit einer Hand die Kamera hält und mit der anderen einen Gimbal steuert, ist das Gold wert.
S-Log3 gibt mir maximalen Dynamikumfang in der Postproduktion. In DaVinci Resolve kann ich Highlights und Schatten nach Belieben anpassen, ohne dass das Bild auseinanderfällt. Für Social Media nutze ich allerdings meistens HLG (Hybrid Log-Gamma) — das sieht direkt aus der Kamera schon gut aus und spart mir Grading-Zeit.
Der Rolling-Shutter-Effekt bei schnellen Schwenks ist der einzige nennenswerte Nachteil im Video-Modus. Er ist geringer als bei der A7 III, aber noch vorhanden. Für ruhige, cinematische Aufnahmen spielt das keine Rolle — für schnelle Action (Kitesurfen, Mountainbiken) nutze ich ohnehin die DJI Action 6 Pro.
Ergonomie und Verarbeitung
Das schwenkbare Display
Das vollständig schwenkbare Display war ein Hauptgrund für meinen Wechsel von der A7 III (die nur ein kippbares Display hatte). Für Vlogs drehe ich das Display nach vorne, für Bodenaufnahmen nach unten, für Überkopf-Aufnahmen nach oben. Es klingt wie ein kleines Feature, aber es verändert die Art, wie du fotografierst, fundamental. An einem typischen Shooting-Tag nutze ich das schwenkbare Display wahrscheinlich 50 Mal.
Wetterversiegelung
Die A7 IV ist gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet — auf dem gleichen Level wie die A7R IV. In der Praxis bedeutet das: Leichter Regen, Nebel, Gischt am Meer, Staub in der Wüste — alles kein Problem. Ich habe bei Tropenregen auf den Philippinen fotografiert (mit einem regenfesten Objektiv) und die Kamera hat keinen Mucks gemacht. Natürlich würde ich sie nicht absichtlich in einen Monsun halten, aber für reale Reisebedingungen ist die Versiegelung ausreichend.
Akkuleistung
Der NP-FZ100 Akku hält circa 580 Bilder nach CIPA-Standard. In der Praxis komme ich auf 600 bis 800 Fotos pro Akku, je nach Nutzung des Displays und WiFi-Transfers. Auf einem vollen Shooting-Tag verbrauche ich zwei bis drei Akkus. Ich habe immer vier dabei — zwei Originale von Sony und zwei günstigere von Nitecore, die genauso gut funktionieren.
Meine Objektiv-Kombination für Reisen
Sony FE 16-35mm f/2.8 GM — 70 Prozent meiner Bilder
Dieses Objektiv ist der Grund, warum ich Sony fotografiere. Es ist scharf bis in die Ecken, schnell fokussierend, wetterfest und bei 16mm weit genug für Architektur und Landschaften. Die f/2.8 Maximalblende reicht für Nachtaufnahmen in Städten. Das GM (G Master) Bokeh bei 35mm ist cremig genug für Porträts.
Sony FE 70-200mm f/2.8 GM II — für den Rest
Leichter als jedes andere 70-200mm f/2.8 auf dem Markt. Perfekt für Safari, komprimierte Landschaften und Porträts mit Freistellung. Die Kombination aus 16-35mm und 70-200mm deckt 95 Prozent meiner Bedürfnisse ab. Die Lücke zwischen 35mm und 70mm? Dafür habe ich Beine — ich gehe einfach näher ran oder weiter weg.
Was mich an der Sony A7 IV stört — ehrlich gesagt
Das Menü-System: Sony hat das Menü seit der A7 IV deutlich verbessert, aber es ist immer noch nicht so intuitiv wie bei Canon oder Nikon. Ich kenne mittlerweile jeden Menüpunkt blind, aber Einsteiger werden die ersten zwei Wochen fluchen.
Kein integrierter GPS: Für einen Reisefotografen ist es unfassbar, dass Sony 2022 keinen GPS-Chip in eine 2.500-Euro-Kamera eingebaut hat. Ich muss meine Bilder manuell geotaggen oder die Sony Imaging Edge App nutzen, die (gelinde gesagt) nicht gut funktioniert. Meine DJI-Drohne hat GPS. Mein iPhone hat GPS. Meine Sony nicht. Das ist absurd.
CFexpress Type A Kartenpreise: Sony verwendet das CFexpress Type A Format, das nur Sony selbst und ProGrade Digital herstellen. Eine 160-GB-Karte kostet circa 250 Euro — mehr als doppelt so viel wie eine vergleichbare CFexpress Type B Karte. Der SD-Slot im zweiten Schacht federt das etwas ab, aber es bleibt ein kostspieliges Ökosystem.
Video-Überhitzung: Bei 4K/60fps in praller Sonne schaltet die A7 IV nach circa 30-40 Minuten wegen Überhitzung ab. Für kurze Clips (unter 10 Minuten) ist das kein Problem, für längere Interview-Aufnahmen oder Events schon. Die A7S III ist hier deutlich besser, aber auch eine reine Video-Kamera.
Kein Selfie-Autofokus im Video: Wenn das Display nach vorne gedreht ist und du dich selbst filmst, fokussiert die Kamera manchmal auf den Hintergrund statt auf dich. Touch-Tracking löst das meist, aber es ist ein unnötiger Extra-Schritt.
Sony A7 IV vs. die Konkurrenz in 2026
vs. Canon R6 Mark II (circa 2.500 Euro): Bessere Video-Features (4K/60fps oversampled, Dual Pixel CMOS AF II), aber das Canon RF-Objektivsystem hat weniger kompakte Reise-Zooms als Sony. Für reine Videografen die bessere Wahl, für Hybridshooter auf Reisen bevorzuge ich Sony wegen der Objektivauswahl.
vs. Nikon Z6 III (circa 2.700 Euro): Neuer, mit teilweise aufgesetztem Sensor für besseren Rolling Shutter. Bildqualität auf Augenhöhe. Aber das Nikon Z-Objektivsystem ist kleiner als Sony E-Mount, und Drittanbieter-Optionen (Tamron, Sigma) sind bei Sony umfangreicher.
vs. Sony A7C II (circa 2.100 Euro): Gleicher Sensor, gleicher AF, kleineres Gehäuse. Der Kompromiss: Kleinerer Sucher, weniger Bedienelemente, kein Joystick. Wenn Kompaktheit über alles geht, ist die A7C II die bessere Wahl. Wenn du viel manuell einstellst und den Sucher häufig nutzt, bleib bei der A7 IV.
Mein Fazit nach drei Jahren Sony A7 IV
Die Sony A7 IV ist die beste Allround-Kamera für Reisefotografen, die auch Video machen. Der Autofokus ist Weltklasse, die Bildqualität herausragend, der Hybrid-Ansatz (Foto plus Video in einem Body) funktioniert nahtlos. Die Schwächen — kein GPS, das Menü, die Kartenpreise — sind real, aber keine Dealbreaker.
Würde ich sie 2026 noch kaufen? Ja, besonders jetzt, wo sie gebraucht ab 1.800 Euro zu haben ist. Die A7 V wird irgendwann kommen, aber die A7 IV hat noch mindestens drei bis vier Jahre professionelles Leben vor sich. 33 Megapixel werden nicht plötzlich zu wenig, und der Autofokus ist durch Firmware-Updates nur noch besser geworden.
Meine Bewertung: 8.5 von 10. Der fehlende Punkt: GPS und Video-Überhitzung. Den halben Punkt: die CFexpress-Preise.
Pflege und Wartung auf Reisen
Eine Vollformat-Kamera wie die Sony A7 IV ist kein billiges Spielzeug, und auf Reisen wird sie deutlich mehr beansprucht als im heimischen Studio. Hier meine Pflege-Routine, die sich über die Jahre bewährt hat:
Sensoreinreinigung alle zwei bis drei Wochen mit einem Blasebalg und bei Bedarf mit feuchten Sensor-Swabs. In staubigen Umgebungen wie der Sahara oder der Atacama-Wüste reinige ich den Sensor sogar täglich. Objektivwechsel immer mit dem Body nach unten, damit kein Staub auf den Sensor fällt. Abends wische ich das Gehäuse mit einem Mikrofasertuch ab und trockne eventuelle Feuchtigkeit. Bei Tropenreisen lege ich Silica-Gel-Beutel in die Kameratasche, um Kondenswasser zu vermeiden — das hat mir auf den Philippinen wahrscheinlich eine teure Reparatur erspart.
Die Sony A7 IV hat mittlerweile über 120.000 Auslösungen auf dem Zähler und funktioniert wie am ersten Tag. Sony gibt keinen offiziellen Verschluss-Lebenszyklus für die A7 IV an, aber basierend auf Erfahrungen aus der Community halten die mechanischen Verschlüsse der Alpha-Serie typischerweise 200.000 bis 300.000 Auslösungen. Ich bin also noch lange nicht am Limit. Und wenn der mechanische Verschluss irgendwann stirbt, kann ich immer noch den elektronischen Verschluss nutzen — der hat keine mechanischen Verschleißteile.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die Sony A7 IV gut genug für professionelle Aufträge?
Absolut. Ich fotografiere damit für internationale Tourism Boards und Premium-Marken. Die Bilder erscheinen in Magazinen, auf Billboards und in Social-Media-Kampagnen mit Millionenreichweite. 33 Megapixel und 10-Bit Video reichen für jede professionelle Anwendung, die mir je begegnet ist.
Lohnt sich der Aufpreis der GM-Objektive gegenüber den G-Objektiven?
Für professionelle Arbeit: ja. Der Unterschied in Schärfe, Bokeh-Qualität und Autofokus-Geschwindigkeit ist sichtbar, besonders an den Bildrändern und bei Offenblende. Für Hobbyisten und Einsteiger sind die G-Objektive (eine Stufe drunter) aber absolut ausreichend und deutlich günstiger.
Kann ich mit der Sony A7 IV auch Astrofotografie machen?
Ja, und zwar erstaunlich gut. Mit dem 16-35mm GM bei f/2.8, ISO 3200 und 15 Sekunden Belichtung bekommst du beeindruckende Milchstraßen-Aufnahmen. Der BSI-Sensor hält das Rauschen bei diesen ISO-Werten gut unter Kontrolle. Auf Lanzarote habe ich einige meiner besten Astro-Fotos mit genau diesem Setup gemacht.
Wie schwer ist die Umstellung von Canon/Nikon auf Sony?
Die ersten zwei Wochen sind frustrierend — das Menü-System ist anders aufgebaut, die Knöpfe sitzen woanders, und die Logik hinter den Custom-Tasten erschließt sich nicht sofort. Nach einem Monat bist du drin. Mein Tipp: Konfiguriere sofort drei Custom-Setups (C1, C2, C3) für deine häufigsten Shooting-Szenarien (Landschaft, Porträt, Action) und nutze das Custom-Rad exzessiv.
Brauche ich zusätzlich zur Sony A7 IV noch eine Drohne?
Ja. Eine Kamera und eine Drohne ergänzen sich perfekt — die Kamera für Augenhöhe, die Drohne für die Vogelperspektive. Meine DJI Mini 5 Pro wiegt nur 249 Gramm und passt in die Jackentasche. Die Kombination aus beiden Geräten hat mein Content-Angebot komplett verändert und ist heute der Hauptgrund, warum Tourism Boards mich buchen.
Über den Autor: Max Haase ist Deutschlands reichweitenstärkster Travel Influencer mit über 4,2 Millionen Followern. Spezialisiert auf Drohnenaufnahmen und Luxusreisen. Kooperationsanfragen hier.






